Das Konzept war geschrieben, die Idee gedacht. Was kam dann?

Beim Film einlegen in der Dunkelzelle
Es war und ist mein Traum die Bildern des neuen Projektes wieder auszustellen. Es gibt nichts schöneres als seine Bilder in der richtigen Größe an der Wand hängen zu sehen. Allerdings nicht einfach, um eine weitere Ausstellung zu haben, sondern vielmehr, weil die Bilder, so wie sie geplant sind, in einer Ausstellung am besten wirken können.
Die Bilder brauchen Platz, müssen groß an Wänden hängen, um ihre ganze Wirkung zu entfalten. Klingt ein wenig geschwollen, aber es ist tatsächlich so…das habe ich getestet…
Nur wie soll man das umsetzen? Dafür braucht man viel Geld und Unterstützung. Und genau da bin ich gerade dran. Bis Ende Juli (das ist der angesetzte Zeitrahmen) suche ich nach Sponsoren, bewerbe mich auf Stipendien etc. Es ist mein Ziel ab August zu fotografieren und dann bis zum Frühjahr 2012 mit den Aufnahmen fertig zu sein, sodass eine mögliche Ausstellung zur 22. Jahresfeier der Wiedervereinigung stattfinden kann. Ob das klappt ist die andere Frage, aber das ist das Ziel.
In der vergangenen Woche hatte ich bereits die Möglichkeit mit einigen namhaften Firmen aus der Fotoindustrie Kontakt aufnehmen zu können. Die haben sich interessiert gezeigt und wenn eine Zusammenarbeit zustande kommt, ist das hier der Platz an dem es bekannt gegeben wird. Grundsätzlich werde ich immer wieder alle möglichen Details und interessanten Fakten zu dem Projekt hier posten. Dran bleiben lohnt sich. Kamera, Licht, Gedanken zum Thema, Buchempfehlungen und vielleicht auch der ein oder andere Anstoß für die eigene Aufarbeitung ….
Nun aber endlich zum Konzept. Hier die aktuelle Fassung. Stand 7. Juni 2011:
„Gefühle im Unrechtsstaat, Generation 2″
Projektbeschreibung
„Der Charakter der DDR als totalitäre Diktatur verschwindet im Bewusstsein vieler Menschen immer mehr zugunsten einer weichgespülten Erinnerung an die vermeintliche Geborgenheit.“
(Sven Felix Kellerhoff im Gespräch mit Rainer Eppelmann, Die Welt, 13.03.2008)
Die fortschreitende Verklärung des SED-Staates hat 20 Jahre nach der Wiedervereinigung einen Höhepunkt erreicht. Die Frustration hervorgerufen durch die Zwänge der geteilten Vergangenheit schwindet. Politiker verteidigen das alte System ohne Differenzierung. Tatsächlich wissen viele gar nicht (mehr), welche Praktiken die Stasi nutzte, um Kritiker mundtot zu machen. Eine solche Entwicklung fordert eine andauernde und klare Aufarbeitung gegen das Vergessen.
Das Projekt „Gefühle im Unrechtsstaat“ soll anders als bisherige fotografische Aufarbeitungen keine rein ästhetische Darstellung von DDR Bürgerrechtlern und STASI Stätten werden. Vielmehr soll dem Betrachter durch diese Fotografien die Chance gegeben werden, in die gedämpfte Atmosphäre des freiheitsverachtenden Systems DDR einzutauchen.
Aus der Verbindung der Portraits von Regimegegnern sowie Architektur- und Landschaftsaufnahmen der Orte, an denen der Freiheitsentzug stattgefunden hat, soll ein Gefühl erzeugt werden, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig das Ausmaß der vertuschten Unterdrückung erfassen lässt. Noch heute gibt es tonnenweise nicht aufgearbeitetes Material, das Zeugnis gibt von der bis ins kleinste Detail geplanten Vertuschung der Stasipraktiken.
Studien belegen enorme Wissenslücken bezüglich der DDR in den nachwachsenden Generationen. Häufig findet keine angemessene Auseinandersetzung mit der nahen Vergangenheit statt. Auch in den Schulen werden die 40 Jahre DDR oft praktisch ausgeklammert.
In meinem eigenen Unterricht fand lediglich eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse der Wiedervereinigung statt. Näheres über die Zeit und das Leben mit dem Regime im ehemaligen Osten zu erfahren war im Lehrplan keineswegs vorgesehen.
Neben einer inhaltlichen Aufarbeitung fehlen auch Bilder, die Eindrücke von Gegebenheiten oft besser vermitteln können als ein Geschichtsbuch. Unzählige Verbrechen in der DDR haben hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Sie sind heute zum Teil aufgearbeitet und die Tatorte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Für viele sind diese Orte aufgrund der geographischen Lage allerdings schwer zu erreichen. Daher ist es unabdingbar diese Orte und die damit verbundenen Gefühle auf einem anderen visuellen Weg zu vermitteln.
Während Film ein Geschehen vollständiger zeigen und Handlungsabläufe lebendiger darstellen kann, kann die Fotografie das Gefühl eines bereits vergangenen Momentes wieder entdecken und dem Betrachter vermitteln. In Bildern müssen Geschehnisse nicht vollständig erörtert werden, um sie ausreichend verständlich zu machen.
Die Fotografien sollen ausgestellt werden und gerade auch denjenigen, die sonst nicht in Berührung mit Zeitzeugen oder Originalschauplätzen kommen können, die Möglichkeit geben, das bedrückende Gefühl zu empfinden, das bis heute an diesen Orten spürbar ist.
Die Portraits sollen die Erinnerungen der Zeitzeugen, die nie vergessen werden wie sich der Freiheitsentzug angefühlt hat, reflektieren. Die Architekturbilder geben diesen Erinnerungen, durch die Leere und Sachlichkeit der abgebildeten Orte, ihren notwendigen Raum. Daher führt die Zusammensetzung der beiden Elemente Architektur und Portrait zu einem intensiven Erlebnis der vergangenen Zeit.
Es ist mir wichtig eine Bildwelt zu schaffen und Anhaltspunkte zu liefern, um die Verbrechen der Diktatur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Während Videos und Fotos zur Wiedervereinigung jedes Jahr im Oktober und November durch die Welt gehen, beschäftigen sich nur wenige mit den vierzig Jahren vor diesem Ereignis.